Haltungsratgeber

 

Um das Dasein einer Ameise zu verstehen, muss man sich zunächst mit ihren Lebensumständen auseinandersetzen. Zurückgezogen in ihre eigene kleine Welt bevorzugen sie vor allem abgelegene, dunkle und feuchte Stellen. Diese finden sie bekanntlichweise primär auf dichtbewachsenen und für sie schattenreichen Arealen wie in Wäldern, auf Wiesen oder unter diversen geeigneten Nistplätzen, die z.B. Steine und abgestorbene Baumstämme darstellen können. Zudem ist aber auch Wärme notwendig, damit sich die Brut effektiv entwickeln kann. Diese werden von den adulten Koloniemitgliedern mit proteinhaltiger Substanz versorgt, die in nestnahen Nahrungsrevieren eingesammelt oder sogar erjagt wird. Ein Großteil aller Arten hält im Winter eine Ruhephase, in der sie sich in tiefere Erdregionen zurückziehen und alle Tätigkeiten weitläufig einstellen.

1. Stellplatz

  • ruhig und vibrationsarm
  • temperaturneutral
  • wenig lichtintensiv

 

Aus der Kombination dieser verschiedenen Kriterien lässt sich zunächst erschließen, welche Stellplätze für ein Formicarium in Frage kommen. Ameisen sind Vibrationen, Lautstärke und ggf. Strahlung von elektronischen Haushaltsgeräten aus der freien Natur nicht gewohnt. Sie registrieren jedoch solche minimalen Signale und nehmen sie als Störung wahr, weswegen ein Stellplatz in unmittelbarer Nähe solcher Geräte vermieden werden sollte. Allgemein sollte darauf geachtet werden, dass den Tieren genug Ruhe gegönnt wird. Übermäßige Kontrolle oder Neugier wirken sich eher negativ aus. Auf Dauer gesehen rentiert es sich, wenn man die nötigen anfänglichen Entwicklungszeiten möglichst ungestört verstreichen lässt.  Direkte Sonneneinstrahlung, die durch Fenster- und Terrarienglasreflektion zu unkontrollierter Temperaturentwicklung führen kann, ist ebenfalls zu umgehen. Ähnliche Auswirkungen können Heiz- und Leuchtkörper hervorrufen. Zudem würde eine permanente Lichteinstahlung die Tiere irritieren und ihren natürlichen Tag-Nacht-Zyklus beeinträchtigen. In erster Linie im Reagenzglas oder der Nestanlage sollte eine gewisse Dunkelheit herrschen, die durch Eingraben oder einfaches Abdecken erreicht wird. Hierzu dienen am besten rote Folie, die vor Glasscheiben angebracht wird oder Alupapier, das man in geringer Schichtung um Reagenzgläser wickelt. Als nicht gefährlich stellen sich Plätze heraus, die sich im leichten Zugwind befinden - im Gegenteil. Durch die gesteigerte Luftzirkulation wird Schimmelbildung eingegrenzt und zudem für ein reeleres Klima gesorgt.

2. Bodengrund & Substrate

  • schadstoffarm
  • einsturzsicher
  • feuchtigkeitsreich und -speichernd

 

Ameisen leben größtenteils in Erdnestern. Die beste Vorraussetzung, um eine gesunde Kolonie heranzuziehen, ist daher das Bereitstellen von grabefähigen Untergründen. Achten sie jedoch daruaf, dass sie keine Blumenerde verwenden, da diese Düngemittel enthält, die toxisch auf die Tiere wirken können. Greifen sie auf handelsübliche Produkte zurück oder nutzen sie einfach unbehandelte Erden aus Garten und Wäldern, die alles enthalten, worauf sich die Tiere im Laufe der Evolution angepasst haben. Falls Sie Sand nur als unveränderbare Dekoration verwenden wollen, sollten Sie ihn recht trocken halten, da er dann nicht von den Tieren bearbeitet wird. Im Gegensatz dazu bieten sich Sand-Lehm-Mischungen an, um z.B. Farmen mit grabbaren, aber dennoch einsturzsicherem Material zu präparieren. Dies geschieht leider jedoch teilweise auf Kosten der Sichtbarkeit, da sich Scheiben durch die ständige Befeuchtung und Bearbeitung mit Lehmfragmenten zusetzen können. Eine regelmäßige leichte Wässerung ist aber nötig, um den Feuchtigkeitsgehalt der natürlichen Böden zu simulieren, ohne den die Brut mit der Austrocknung konfrontiert wäre. Im Endeffekt muss der Halter entscheiden, welchen Kompromiss er zwischen Beobachtungsmöglichkeit und Wohl der Tiere eingehen will. Aber auch hier gilt: umso naturnaher die Einrichtung, desto besser fühlen sich Ihre Tiere.

3. Nahrungsaufnahme

  • gesicherte Wasserstellen
  • Proteine
  • Kohlenhydrate

 

Es gibt drei wichtige Grundstoffe, ohne die Ameisen nicht überlebensfähig sind. Wasser, Kohlenhydrate und Eiweiße sind die elementaren Bestandteile einer Ameisenkolonie. Wasser kann durch eine Tränke zur Verfügung gestellt werden. Eine andere Möglichkeit ist das Reichen von Flüssigkeit per Pipette. Es ist darauf zu achten, dass keine großen Wasserflächen zu Stande kommen, da die Tiere zum Ertrinken neigen und einzelne Tropfen schon relativ große Mengen darstellen. Kohlenhydrate können in Form von Honig- oder Zuckerwasser bereitgestellt werden. Der Wasseranteil sollte hierbei bei ca. 20 - 40 % liegen. Es ist auch möglich, natürliche Kohlenhydratquellen wie Blattläuse anzubieten. Diese finden sich auf Pflanzenstengeln, deren Säfte sie aufsaugen. Die entstehenden süßen Ausscheidungssekrete werden von den Ameisen angenommen. Allerdings ist bei dieser Variante zu beachten, dass abgeschnittene Pflanzenteile schnell welken und somit eine langfristige Haltung von Blattläsen zum schwierigen und somit auch zum recht uneffektiven Unterfangen wird. Eiweiße bzw. Proteine können in vielerlei Hinsicht umgesetzt werden. Die natürlichsten Quellen sind Insekten und Spinnen. Zu beachten ist hierbei, dass es beim Kontakt von biotopfremden Ameisen mit einheimischen Futtertieren zur Übertragung von fremden Parasiten und Krankheiten kommen kann auf die die Tiere nicht eingestellt sind. Die Verfütterung an lokal identische Arten stellt keine Gefahr dar, da es auf dem obligatorischen naürlichen Prozess basiert. Allerdings können lebende Insekten und vor allem Spinnen durch physische Wirkung auch zur Gefahr für die Ameisen und ihre Nestanlage werden. Am idealsten sind relativ harmlose Kleinstlebewesen wie Schaben, Heimchen und Mehlwürmer, die man allesamt im Sortiment einer Zoohandlung findet.  Die sinnvollste Variante, die vor allem bei einer großen Menge an erworbenen Futtertieren ratsam ist, ist das Einfrieren. So konservieren sie deren Nährstoffe und können die gesamte Menge systematisch  verwerten. Beim Abkochen hingegen hat es den Anschein, dass Ameisen, evtl. wegen verlorengegangener Geruchsspuren und reduzierter Qualität, weniger Interesse am Angebot haben. Andere unkomlizierte Eiweißlieferanten stellen handelsübliche Lebensmittel wie Gehacktes, Shrimps, Fisch oder auch Katzenfutter dar. Zu empfehlen ist in jedem Fall ein Gefäß, in dem die Nahrung gerreicht wird. So kann eine unkomplizierte Reinigung erfolgen, was das Schimmelpotential verringert.

4. Klimabedinungen

  • kontrollierte Wärmespender
  • überfeuchtes Klima vermeiden

 

Die richtigen Temperaturen für Ihre individuellen Kolonien können sie unseren Artenbeschreibungen entnehmen. Um diese Parameter widerrum im fast abgeschlossenen System eines Terrariums umzusetzen, bedarf es Hilfsmitteln. Nutzen sie zur Temperatursteigerung Heizmatten, -kabel oder -steine, die sich ideal per Thermostate steuern lassen. Eine manuelle Kontrolle ist hingegen schwierig und zeitaufwändig. Mit der richtigen Temperatur gedeiht die Brut schneller. Sie sollten jedoch permanente Hitze vermeiden, da auch in der Natur nötige abendliche Abkühlungsprozesse stattfinden. Hinsichtlich der Luftfeuchtigkeit sind Ameisen relativ flexibel. Werte unter 20 % und ein überfeuchtes Klima sollten aber vermieden werden, da die Schimmelbildung hiervon profitiert. Außer bei Blattschneidern sind hier keine besonderen Maßnahmen zu ergreifen. Es genügt eine bedachte Wässerung der Nestanlage alle 2-3 Tage. Die Erfahrung, die sie sammeln und die Reaktion der Tiere, wird Ihnen zeigen, welche Mengen notwendig sind.

5. Schimmel- & Milbenbekämpfung

  • Vorbeugung durch angemessene Hygiene
  • weiße Asseln und Springschwänze

 

Die größten Gefahren für Ameisen in Gefangenschaft stellen Schimmel und parasitäre Milben dar. Auch wenn beide in der Natur auftreten, sind sie in der heimischen Haltung ungleich schädlicher, da hier nicht die vorgesehenen Abwehrmechanismen vorhanden sind. Schimmelsporen befinden sich überall in der Luft. Sie wachsen auf organischen Partikeln heran und werden durch schlechte Belüftung bzw. eine feucht-warme Umgebung wie sie auch im Terrarium herrscht begünstigt. Haben der Schimmel einmal seinen Wirt gefunden, ist es schwer, ihn wieder zu beseitigen. Deswegen ist hier Prävention das beste Mittel. Vermeiden Sie unnötige organische Müllansammlungen im Formicarium und reinigen Sie Futterstellen regelmäßig. Ist es doch einmal soweit, dass der Schimmel sich verbreitet, helfen andere kleine Tiere - weiße Asseln. Sie fressen Schimmelbestände und ebenso Milden, was sie zum idealen Partner im Terrarium werden lässt. Milben saugen ihre Wirtstiere aus ähnlich wie es Zecken handhaben. Da einige Milbenarten so aggressiv vorgehen, dass sie für Ameisen tödlich sein können, sind Asseln und Springschwänze auch hier ein unumgänglicher Schutz für ihre Tiere. Springschwänze dienen vor allem dazu, Nahrungsreste zu verwerten und somit kleinste potenzielle  Schimmelquellen vorher zu beseitigen.

6. Ausbruchsschutz

  • Ameisen finden jede Schwachstelle

 

Die Tiere sind es gewohnt eine in Relation zu ihrer Körpergröße stehende unendliche Weite zu erkunden. Somit lässt sich nicht vermeiden, dass jegliche Lücke im System gefunden und ausgenutzt wird. Ist man nicht Herr der Lage, kann schnell über Nacht eine komplette Kolonie ausgebrochen sein. Verlässliche Schutzmechanismen wie einfache Deckelsysteme oder Talkum haben sich hier als beste Lösung bewährt. Talkum ist ein Mineral, das in Technik, Medizin und Sport Verwendung findet. In der Ameisenhaltung wird es als Ausbruchsschutz an den inneren, oberen Beckenrändern in einem ca. 3 cm breiten Streifen aufgetragen und hindert die Ameisen am Überschreiten dieser Grenzlinie.

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